Uralte biologische Hacker

Parasiten haben ja manchmal schon recht nette Adaptionen. Beispielsweise gibt es eine Milbe, die gerne in den Ohren von Motten wohnt, diese damit aber leider gehörlos werden lässt. Da eine taube Motte die Ultraschall-Ortungs-Schreie von Fledermäusen nicht mehr hören und somit ausweichen könnte, wenn dieser Jäger es auf sie abgesehen hat, befällt die Milde immer nur ein Ohr. So hört die Motte noch und kann eventuell fliehen. Das ist ja nicht nur fein für die Motte, sondern vorallem ist so auch die Chance der Milbe auf Weitergabe möglichst vieler Kopien ihrer Gene höher.

Es geht aber noch wesentlich stylischer: Die Pilz-Art Ophiocordyceps unilateralis befällt Ameisen parasitär und schafft es irgendwie, das Zentralnervensystem ihrer Wirts-Ameise so zu hacken, dass sie ihr Verhalten ändert. Diese klettert dann nämlich irgendwo auf ein Blatt oder Zweig, wo die Lebensbedingungen für den Pilz optimal sind, beißt sich da fest, und stirbt. Der Pilz wächst dann gemütlich aus ihr heraus, freut sich seines schönen Nährbodens und kann von da aus wieder erneut mit Sporen um sich werfen, die hoffentlich wieder auf irgendwelchen Ameisen landen.

Dass sowas nicht nur bei psychologisch eher simpel gestrickten Insekten sondern auch bei Säugetieren funktioniert, zeigt das Toxoplasma gondii. Dieser Einzeller ist ein Parasit, der sich im Bauch von Katzen vermehrt und dann ausgeschieden wird. Wenn Nagetiere damit in Berührung kommen und davon befallen werden, schaffen diese Protozoen es, dass die olfaktorische Wahrnehmung des Nagers so zu verändern, dass sie den Geruch von Katzen (und deren Urin) nicht mehr abstoßend findet (wie sonst nämlich, was ja auch offensichtlich eine sinnvolle Adaption zum Überleben ist), sondern dass der die Maus/Ratte plötzlich auf diese Gerüche steht und gerne in die Nähe geht. Schon wird sie gefressen und das Protozoon beendet seinen Lebenszyklus wieder in der Katze.
Das nenn ich mal ne krasse Symbiose zwischen Katze und Parasit. Schon cool, was Koevolution so für lustige Sachen hervorbringt. (Übrigens: Ein noch komplexerer Fall wird hier (link) beschrieben.)

sneezeWie geil wäre es denn bitte, wenn auch unser Verhalten (vielleicht sogar Gedanken, Wünsche, sonstwas) in ähnlicher Weise von solchen Tierchen beeinflusst würde, wir es aber noch vor uns haben, das herauszufinden? 😀 Syphilis könnte die sexuelle Lust erhöhen, um sich besser zu verbreiten, und niesen wir wirklich als Abwehrreaktion, um den Erreger loszuwerden, oder bringt uns der Erreger vielleicht dazu, ihn auf diese Weise noch besser zu verteilen? 😉 Ganz so abwegig scheinen solche Überlegungen gar nicht zu sein. Selbst bei recht banal wirkenden Krankheiten (in diesem Fall Grippe) gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass wir uns nach einer frischen Infektion mit den Viren (z.B. Impfung) pro-sozialer (mehr zwischenmenschlicher Kontakt) verhalten, was aus Sicht der Viren-Gene ja auch sinnvoll wäre, da es die Chance auf weitere Verbreitung erhöhen würde. Außerdem könnte es sein, dass unsere Darmbakterien mitentscheiden, worauf wir Hunger haben. 😀

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