Projekte, Ziele, Training, Lernen und Gewohnheit

(Hinweis: Subjektives Motivations-Blabla voraus.)

Bei manchen Aufgaben/Zielen ist die extrinsische Motivation so stark, dass man automatisch sehr viel dafür tut, sie zu lösen/erreichen.
Andere Projekte sind aber nur nice-to-have. Es passiert einem nichts schlimmes, wenn man nicht an ihnen arbeitet. Und trotzdem fände man es schön, sie durchzuziehen. Dabei kann es sich um ganz unterschiedliche Sachen handeln, wie z.B.

  • ein Musikinstrument lernen
  • Spagat schaffen
  • ein guter Smalltalker werden
  • Vorträge halten können
  • Programmieren lernen
  • Jonglieren lernen
  • Buch oder Blog schreiben
  • regelmäßig Meditieren
  • ein optionales Projekt auf der Arbeit
  • eine Fremdsprache beherrschen
  • sein doppeltes Körpergewicht Kniebeugen können

Darum, wie man solche Ziele erreichen kann, geht es in diesem Artikel.

mountainAuch wenn intrinsische Motivation initial nötig ist, sollte man sich doch nicht vollständig auf sie verlassen, denn sie kann schnell mal schwinden. Ein zuverlässigerer Helfer sind Gewohnheiten, und zwar solche, die einem dabei helfen, seinen Zielen kontinuierlich näher zu kommen.

Nicht jeder kommt mit der gleichen Menge der nötigen Beharrlichkeit daher, aber auch diese Einstellung lässt sich, so wie andere Charaktereigenschaften auch, trainieren.
Wenn man etwas anfängt sollte man sich damit identifizieren. Der Gedanke „Ich bin Kunstturner(Pianist/Autor).“ fühlt sich gleich ganz anders an als „Ich mache etwas Kunstturnen.“ Das zweite ist vielleicht irgendwas für ein paar Abende die Woche, das andere ein 24/7-Ding, selbst wenn der tatsächliche explizite Zeitaufwand der gleiche wäre.
Das erste bedeutet aber auch, dass man anfangs natürlich ein richtig schlechter Kunstturner ist. Aber wenn man all-in geht man muss damit klarzukommen, ein unfähiger Anfänger zu sein. Die Tatsache soll sich ja ändern. Und das tut sie nur, wenn man selbst aggressiv dafür sorgt. Aggressivität ist hier losgelöst von Ärger und eher im Sinne von aktiv handelndem und dauerhaftem Enthusiasmus zu verstehen. Sie richtet sich nicht gegen sich selbst oder andere, sondern gegen die zu ändernde Tatsache und somit auf das zu erreichende Ziel.
Diese Einstellung ist nicht optional, sondern notwendig, und ebenso trainierbar (Meta-Training, yeah) wie andere Dinge auch.

Je nach Ziel/Projekt, muss man die richtige Mischung zwischen Theorie und Praxis finden. Wenn man beispielsweise 7 mal die Woche im Kraftraum reinhaut, sollte man hin und wieder auch mal ein Buch lesen, um sein Training optimieren zu können. Andersrum hilft es z.B. beim Programmieren nicht, zig Bücher zu lesen, wenn man das Wissen wieder versacken lässt, anstatt es in echten Projekten in Fleisch und Blut übergehen zu lassen.

Viele Skills, die man lernen will, lassen sich in kleine Fähigkeiten oder Voraussetzungen dekonstruieren, die man dann einzeln üben kann. Wenn einem selbst die Übung im Zerlegen fehlt, fragt man halt jemanden, der mehr Erfahrung damit hat (Trainer/Mentor). Viele Leute freuen sich, ihr Wissen an interessierte Neulinge weitergeben zu können.

Ziele können natürlich sehr unterschiedlich sein. Bei einigen ist der Fortschritt schwer zu messen, bei anderen geht es einfacher. Wenn man beispielsweise 10kg abnehmen und 20 Klimmzüge können will, merkt man schnell, ob man heute näher am Ziel ist als noch vor 4 Wochen. Bei solchen Dingen kann man wenn nötig zusätzliche extrinsische Motivation erschaffen, indem man seinem Freunden vom Vorhaben erzählt und eventuell auch eine Wette bezüglich des Erreichens (mit Deadline) mit ihnen abschließt. Oder man sucht sich Leute mit ähnlichen Zielen und macht eine Art positiven Wettkampf daraus, wer etwas (z.B. die 20 Klimmzüge oder 500 Punkte auf Hackerrank) zuerst schafft.

Man kann sich im Alltag auch an sein Ziel erinnern lassen, indem man sich z.B. ein Poster von dem, was man erreichen will, irgendwo aufhängt. (Trainingsraum, Kühlschrank, Desktop-Wallpaper usw.)

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Ein Problem kann natürlich die Zeit werden, sodass die Tage einem zu kurz erscheinen. Hier lohnt es sich, einfach mal eine typische Alltags-Woche zu messen. Wofür gehen wie viele Minuten im Schnitt pro Tag drauf?
Zeitfresser wie Facebook, reddit, Fernsehen usw. sollten sich leicht identifizieren und rauswerfen lassen. Auch auf Nachrichten kann man verzichten. Man vergisst eh nach nur kurzer Zeit das meiste.
Wenn der Tag also von solchem Unfug befreit ist, können die nötigen Sachen optimiert werden. Essen kann man in größeren Mengen im Voraus vorbereitet werden, Bücher können (je nach Typ) auch als Hörbuch während der Fahrt mit Auto/Bus/Bahn zu sich genommen werden. Vorlesungen können vielleicht beim Crosstrainern geguckt werden, usw.
Und wenn gar nix mehr geht, weil man zu viele unverzichtbare Ziele gleichzeitig hat, muss halt periodisiert werden. Ein paar Wochen oder Monate lang kann man sich z.B. hauptsächlich der Musik und dem Krafttraining widmen, und die vorher erlernten Jonglier-Tricks verlernt man nicht, auch wenn man sie nur einmal die Woche ein paar Minuten lang übt. Die sind dann vielleicht irgendwann anders wieder intensiver dran und in der Zeit hält man seine Kraftwerte dann einfach nur einigermaßen konstant.

periodization
Zusätzlich zur Zeit, sollte man auch den Kopf freibekommen. Alles, was man sich eigentlich merken würde (Termine, Mini-Aufgaben, Dinge die man irgendwem noch sagen will usw.) einfach aufschreiben und vergessen bis sie an der Zeit sind.

Generell gilt: auch wenn die Ziele nicht sportlicher Natur sind, ist gute Ernährung und genug Bewegung wichtig, denn auch die mentale Leistungsfähigkeit und Regeneration wird dadurch positiv beeinflusst. Und langfristig wollen wir ja nicht nur ein Projekt schaffen, sondern unsere Kapazität, Projekte zu schaffen, erhöhen. 😉

Manchmal werden Freunde oder Verwandte eventuell sowas sagen: „Mach mach mal Trainingsfrei und guck was TV und iss dabei Chips und keinen Magerquark.“ Auch wenn sie es eigentlich gut mit dir meinen, können sie dich mal. Die Ärmsten wissen leider nicht, wie geil es ist, mit Begeisterung an einer Sache dran zu sein, und deshalb halten sie die „Besessenheit“ für falschen Ehrgeiz. Dabei geht es doch gar nicht um die Ehre und geizig sind wir doch auch nicht.
Im Nachhinein wird aber wohl kaum einer von uns jammern „Och hätte ich doch mehr TV geschaut und nicht so viel Klavier geübt.“ Der umgekehrte Fall ist wesentlich leichter vorstellbar.

Ausgebranntsein stellt sich ein, wenn man zu viele Sachen machen muss, auf die man keine Lust hat, und die Sachen, die man machen will, nicht machen kann. Wenn man mit Leidenschaft und Freude an etwas dran ist, macht einen das nicht fertig. Im Gegenteil, innerlich fühlt man sich total aufgeräumt und entspannt.

pisarenko-squatBei der ganzen Zielorientierung muss man natürlich trotzdem flexibel bleiben. Wenn ein Weg versperrt ist, sucht man einen anderen. Dabei muss man nur dran denken, dass das Ziel weiterhin das Ziel und der Weg immer noch nur der Weg ist.
Klar, wenn ein Ziel nicht mehr wert ist, erreicht zu werden, kann man ein Projekt auch sein lassen. Aber das Meta-Ziel ist es ja, in vielen Jahren super leistungs- und lernfähig und dabei zen-mäßig gechillt und zufrieden zu sein.
Und manchmal kann ja sogar ein einzelnes Projekt 10 Jahre dauern, so wie beispielsweise das erreichen eines Seitspagats. 😉

dobi_sidesplit_history_10_yearsUnd wie bei allem gild auch beim erreichen von beliebigen Zielen, dass es zwar wichtig ist, die Fähigkeit zu haben, selbst viel rauszufinden, man jedoch nicht auf alles ohne Hilfe in nur einem Menschenleben kommen kann. Informiert euch also darüber, was es alles für Tricks gibt, die einem dabei helfen, seine Gewohnheiten nach den eigenen Wünschen zu formen, Ziele zu erreichen und produktiv zu sein; und zwar nicht im nächsten Jahr oder morgen, sondern jetzt. Raus aus der comfort zone! 😉

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Erleben und Erinnern

erleben_und_erinnern„Wenn wir etwas erleben, können wir das, was geschieht, objektiv wahrnehmen, und es im Nachhinein (zumindest den Teil davon, den wir nicht vergessen haben) korrekt widergeben.“ FALSCH! 😀

Zunächst einmal zum Erleben: Wir stehen nicht in direktem Kontakt mit der externen Welt. Wir nehmen durch unsere Sinne nur Hinweise wahr, die wir interpretieren. Aus diesen Interpretationen bauen wir uns dann ein internes Modell zusammen. Erleben ist also kein rein passiver sondern ein konstruktiver Prozess.

Richtig deutlich wird das jedoch erst, wenn dieser Prozess offensichtlich falsche Ergebnisse produziert. Der Ames-Raum, ist ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Erfahrung mit rechteckigen Räumen zu einer Interpretation, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, führen kann. Des weiteren erfinden wir ähnlich wie beim blinden Fleck im Auge Dinge dazu, die wir erwarten.

naked_woman_illusion_bubblesOb, diese Illusion nur bei Lesern, die auf Frauen stehen, funktioniert, weiß ich nicht. 😉 Aber der Witz ist halt, dass die Damen gar nicht so nackt sind, wie man meint.

naked_woman_illusion_originalWenn wir Dinge, zu denen mehrere interne Modelle passen würden, wahrnehmen (und sie nicht einfach verpassen), entscheiden wir uns für eins davon. Auf folgendem Bild sehen wir in einem Moment auch nur entweder eine Ente oder einen Kaninchen.

duck_rabbit_illusionIn Alltagssituationen mit mehreren möglichen Interpretationen entscheiden wir uns unbewusst oft für eine, womit wir auch schonmal gut daneben lieben können. Diese Illusionen sind übrigens nicht nur auf den visuellen Bereich beschränkt.

electromagnetic_spectrumAber wie sieht es mit Erinnerung aus? Die Tatsache, dass wir selbst den kleinen Anteil vom elektromagnetischen Spektrum, den wir eigentlich hätten sehen können, nicht einfach als HD-Video verlustfrei in unserem Kopf aufnehmen, ist nicht die einzige Möglichkeit, wie hier starke Abweichungen von der Wirklichkeit auftreten können. Wir speichern nämlich nur abstrakte Informationen über eine Begebenheit und jedes mal wenn wir uns erinnern wird daraus aktiv etwas rekonstruiert. Lücken werden unbemerkt einfach aufgefüllt, ähnlich wie beim blinden Fleck und der oben gezeigten naked woman illusion; und das noch nichtmal jedes mal zuverlässig gleich! Unsere Erinnerungen unterliegen nicht nur Stimmungsschwankungen sondern auch langfristigen Veränderungen, die manchmal sogar aktiv von anderen hervorgerufen werden können.

bugs_bunnyIn einem für meinen Geschmack besonders witzigen Experiment diesbezüglich wurde Leuten, die in Disneyland waren, eingeredet, sie hätten dort Bugs Bunny getroffen. Danach hatten sie lebhafte Erinnerungen an diese Szene, die sie auch erzählen konnten. Dass das ganze gar nicht passiert sein konnte, weil Bugs Bunny eine Figur von Warner Bros. ist, und deshalb ganz sicher nicht in Disneyland anzutreffen ist, spielte dabei keine Rolle. 😉

Aber auch ohne dass uns jemand aktiv etwas einredet, können unserer Erinnerungen schlichtweg verkehrt sein; selbst bezogen auf Umstände von wichtigen Ereignissen, von denen wir überzeugt sind, dass wir uns da sicherlich korrekt dran erinnern. Um diese Aussage zu bestätigen, hat man Leute direkt nach den 9/11-Vorfällen gefragt, wo sie waren als sie davon erfahren haben. Als man den selben Leute nur ein Jahr später die gleiche Frage erneut gestellt hat, war die Geschichte von über einem Drittel der Befragten nicht mehr konsistent mit ihrer ursprünglichen.

Solche Fakten lassen natürlich auch die Aussagen von Augenzeugen in einem anderen Licht erscheinen; sei es bei „Ufosichtungen“ oder ganz normal vor Gericht. Wir alle können trotz fester Überzeugung einfach dramatisch falsch liegen.

augenzeuginWenn du also beim nächten Familientreffen mit deinen Cousins streitest, wer von euch früher bei den Bundesjugendspielen damals am weitesten geworfen hat, und ihr euch fast gegenseitig an die Gugel geht, weil die anderen ja alle totalen Bullshit erzählen, denk vielleicht mal zwischendurch an diesen Artikel und daran, dass du es möglicherweise einfach selbst nicht mehr wirklich weißt. 😉

Der Tod

deathSo, heute wird es nochmal ein klein wenig existentieller als in den letzten Posts. 😉
Ob nun aus irgendeinem aktuellen Anlass oder einfach generellem Interesse – die meisten von uns haben sich vermutlich irgendwann mal mit dem Thema der Sterblichkeit (auch der eigenen) beschäftigt. Und vermutlich sind nur recht wenige dabei zu dem Schluss gekommen, dass sie sich dich drauf freuen, endlich ins Gras zu beißen.
Märchen, die versuchen diesbezüglich Trost zu schenken, gibt es genug. Von ewigem Leben im Paradies über Widergeburt bis hin zu Rumgegammel als Gespenst oder chilligem Abhägen im Nirvana ist da vieles dabei. Was tut man aber nun wenn einen sowas nicht überzeugt?

question_mark_gravestoneTot zu sein sollte für den Betroffenen eigentlich nicht sonderlich schlimm sein, denn das Bewusstseinsphänomen „Schlimmizität“ existiert dann überhaupt nicht mehr, da die Prozesse, aus denen das hervorgeht, einfach nicht mehr stattfinden. Diejenigen, die wirklich leiden, sind also die Hinterbliebenen, die den Verstorbenen eventuell sehr vermissen.
Falls dich das noch nicht überzeugt, dass es nicht unangenehm ist, nicht mehr zu leben, frag dich mal, wie es für dich war als du noch nicht gelebt hast. Die mehreren Milliarden Jahre, die die Erde schon ohne dich existiert hat, fandest du ja auch nicht sonderlich dramatisch.

earth„Aber das Sterben an sich könnte total schrecklich oder schmerzhaft sein.“ – Ja, das könnte es, und ist es in einigen Fällen vermutlich auch. Die moderne Medizin bietet aber auch selbst für die Körperlich übelsten Zustände Mittel, mit denen das gefühlte Unwohlsein wohl sehr stark reduziert wird; gerade wenn eventuell ungesunde Nebenwirkungen kein Problem mehr darstellen. 😀
Na gut, aber angenommen man hat nicht die Chance, (möglicherweise schön vollgedröht) einfach einzuschlafen. Ja, dann könnten diese Momente ziemlich scheiße sein. Gegen das Problem hilft mir persönlich allerdings folgende kleine Anekdote aus dem eigenen Leben überraschend gut. 🙂

krankenwagenAls ich mir vor nun fast einem Jahrzehnt beim Basketballspielen mal das Bein gebrochen hatte, wurde vor meinem Abtransport vom Court gesagt, dass ich nun ein Mittel bekäme, dass mich den Schmerz zwar spüren lässt, aber bewirkt, dass ich mich danach nicht mehr an ihn erinnern werde. Es wurde impliziert, dass das fast genauso gut sei wie nichts zu spüren.
Das bringt mich zu folgender Definition von Schmerzen/Leid: Der Moment (wenn er denn nicht übertrieben lang ist), in dem man aktiv leidet, ist gar nicht so sehr das Üble, sondern die vielen Jahre danach, in denen man sich noch traumatisiert an diesen Moment erinnert oder sonstwie mit den Folgen zu kämpfen hat, sind das Fiese.
Wenn ich also beim Sterben starke Schmerzen habe, ist das demnach wesentlich harmloser als wenn ich die gleichen Schmerzen früher in meinem Leben durchmachen müsste.
Das geht natürlich gegen den Konsens, dass es besonders wichtig sei, die letzten Momente eines Sterbenden möglichst nett zu gestalten. Ich behaupte ja, dass Schmerzen beim Sterben wesentlich schwächer zu bewerten sind als andere ihrer Art, aber was solls. 😀

sterbebettOK, Totsein an sich ist dann also eher harmlos und Sterben gar nicht so schlimm. „Aber ein Bischen ewig leben wäre trotzdem nicht verkehrt.“ mag der ein oder andere denken.
Na gut, mit (grob) 72 Jungfrauen oder Ähnlichem kann ich leider nicht dienen, sondern nur mit folgendem:
In seiner Lebzeit hat man zwangsläufig mit seiner Umgebung interagiert und durch seine Worte und Handlungen Spuren hinterlassen. Andere Leute haben von/durch/mit einem gelernt, und zur Gesamtkultur der Gesellschaft hat man auch ohne zig Nobelpreise geholt zu haben einen (wenn auch kleien Teil) beigetragen. Das gilt nicht nur für diejenigen unter uns, die sich fortgepflanzt haben. Und auch eine kleine Handlung jetzt kann eine der Ursachen für eine größere Veränderung in der Zukunft sein. 🙂

Von Trainern und Athleten

VonTrainernUndAthletenBannerWenn es um Krafttraining/Ernährung/Fitness geht fällt mir folgendes Schema öfters auf: Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu trainieren und sich zu ernähren (die auch zum Großteil bei verschiedenen Leuten irgendwie funktionieren), und um zukünftig bei sich selbt Erfolge zu sehen, will man möglich viel richtig machen. An Tipps, die man aus Büchern, Blogs, Youtube-Videos oder von Trainern und Trainingspartern bekommen kann, mangelt es kaum. Es ist allerdings schwer, sich zu entscheiden, auf wen man denn nun hört, denn es sind sich nicht immer alle (eigentlich fast nie :D) einig.

Wem glaubt man nun wenn man selbst noch nicht so viel Ahnung vom Thema hat? – Aus Reflex erstmal auf den, der selbst irgendwie krass ist. Leute, die selbst körperlich nur mittelmäßig sind, werden dabei nicht unbedingt so ernst genommen. Einem Poser-Proleten wie auf dem Foto ein paar Zeilen weiter unten glaubt man eher wenn er von einem Trainings-/Ernährungskonzept abrät als anderen.

58210_483011221786928_1385672713_nAber dass der Typ da selbst einigermaßen fit aussieht (Ist eh alles nur gute Beleuchtung und Pump. ;-)), bedeutet noch lange nicht, dass er auch Ahnung von irgendwas haben muss, bzw. man auf seine Ratschläge hören sollte. Vielleicht hat er diese Form nur erreicht, weil er besonders hart trainiert und eine gute Veranlagung hat. Die Art wie er trainiert und sich ernährt kann trotzdem eigentlich sehr suboptimal sein, und er wäre mit besseren Entscheidungen diesbezüglich dann sogar schon viel weiter. Vielleicht stofft er auch oder hat nen guten Trainer, der ihm einfach nur sagt, was er machen soll. Oder er hat für sich selbst nur zufällig eine Methode gefunden, die bei ihm einigermaßen funktioniert. Nun meint er vielleicht, dass seine Art die beste für alle sei, und rät anderen dazu, alles genauso zu machen wie er. Das kann zufällig mal stimmen, kann aber auch Bullshit sein.

Jemand, der die Zeit, die das Exemplar oben in Training gesteckt hat, ins Lernen, Lesen von Studien und Betreuen von anderen Athleten investiert hat, ist möglicherweise ein viel viel besserer Trainer, auch wenn er selbst gar nicht so super viel trainiert.

advice_full_Sports-Science_BrightonDiese Überlegungen machen es zwar leider schwerer, sich zu entscheiden, wer denn nun Unfug redet, aber wenn man einfach nur mal schaut, ob der potentielle Ratgeber sich bei diesem Thema grundsätzlich an wissenschaftliche Methoden hält, oder nur ausschließlich an seiner persönliche Trainingserfahrung oder irgendwelchen Anekdötchen orientiert, hat man oft schon einen guten Hinweis. Wenn jemand beispielsweise von einem Supplement total überzeugt ist, kann man einfach mal eben selbst auf pubmed nachschauen, ob was dran ist. Denn viele (selbst Profisportler) machen manche Dinge nur, weil sie es halt so vorgemacht bekommen haben bzw. dran gewohnt sind, oder es ihnen persönlich Spaß macht. Klar, gerade bei Gesundheitstipps oder in der Jugendarbeit ist es hilfreich, auch zu praktizieren, was man predigt. Als Erzieher wird man es noch schwerer haben, Kinder bzw. deren Eltern von mehr Gemüse zu überzeugen wenn man selbst nur Schokolade futtert. Jedoch würde selbst das den eigentlichen Wahrheitsgehalt der Aussage nicht verändern.

Great-Nutritional-Tips-And-Advice-For-EveryoneGrundsätzlich ist ein zufällig ausgewählter Ex-NBA-Star zwar schon sehr wahrscheinlich ein besserer Basketballtrainer als ein zufällig ausgewählter Mensch von der Straße, aber er ist nicht zwangsläufig der Beste. Phil Jackson z.B. war ein wesentlich besserer Trainer als ein Spieler, und bei Lothar Matthäus ist es möglicherweise umgekehrt. Ein großartiger Komponist muss auch nicht selbst ein Virtuose an allen Instrumenten im Orchester sein, um für diese meisterlich gute Stimmen zu schreiben.

Phil JacksonAlso, gebt auch mal den selbst nicht so ganz krassen Leute eine Chance. Eventuell lohnt es sich ja, ihnen zuzuhören. 🙂

Glücklichsein und andere Lebenssinne

The_Answer_to_Life_the_Universe_and_EverythingLeben als solches (Stoffwechsel, Homöostase, Fortpflanzung usw.) hat an sich wohl eher keinen inhärenten Sinn, sondern läuft als emergenter Prozess einfach im Rahmen der Naturgesetze (physikalisch, chemisch, biologisch) ab. Sinn ist ja eh etwas, das erst wir denkenden Lebewesen in Handlungen und Existenzen hineininterpretieren. Auch wenn wir der Evolution gern ein Ziel wie die Hervorbringung immer „höherer/besserer“ (Obacht, hochgradig subjektiv) Lebensformen zusprechen möchten, passiert auch sie einfach so. Alles hat eine Ursache, aber diese muss kein Grund im teleologischen Sinn sein oder haben. Frösche sind beispielsweise nicht dafür da, um Spinnen zu fressen, damit wir Menschen nicht so sehr von ihnen belagert werden, es geschah einfach so, dass sie es tun. Den Sinn sprechen erst wir ihnen zu, da sie jemandem (in dem Fall uns) nutzen.

frog-wideDa wir aber manchmal darauf (be)stehen, dass auch wir nicht sinnlos sind, suchen wir uns manchmal (wenn auch unbewusst) einen Zweck (und andere Grundsätze, ethisch oder sonstwie) für uns aus. Die Angebote sind ja zahlreich. Ich vermische hier gleich sicherlich kurzfristiges Glücklichsein öfters mal mit langfristiger Erfüllung, da mir die Grenzen dazwischen fließend vorkommen, denn oft ist es ein Abwägen (oder eher Tauziehen?) ähnlich wie beim Marshmallow-Test.

Na gut, was sucht man sich denn nun zur Erfüllung so aus? Für verschiedene Leute sind es wahrscheinlich unterschiedliche (auch stark kulturell geprägte) Mischungen aus teilweise diesen (oft auch wieder überlappenden) Sachen:

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  • Hedonismus in vielen Formen, also Genuss von Sex, Essen, Unterhaltung, Berieselung, Nervenkitzel, Musik, mit Freunden abhängen usw.
  • Selbstverwirklichung, sei sie sportlicher, beruflicher, intellektueller, finanzieller oder sonstiger Art. Man kann einfach auf einen hohen sozialen Status hinarbeiten oder fleissig trainieren, um irgendwann so gut Surfen zu können, dass Teahupoo einen nicht zerlegen würde, oder um andere krasse Sachen drauf zu haben.
  • Spiritualität. Diese muss nicht religiös sein. Das naturalistische Verstehen der Welt könnte man in diese Kategorie einorden sowie Mitgefühl und Hilfe (bis hin zur Aufopferung) für andere (z.B. ihnen in Foren beim Erwerb der Grammatik zur Seite stehen ;-)) oder was auch immer.

Je nach Persönlichkeit sagen einem diesbezüglich dann wahrscheinlich auch andere Philosophen zu. Für den *S*J könnten gesellschaftliche Pflichterfüllung und Tugenden ähnlich wie bei Aristoteles und Konfizius passen. Als *S*P mag man eventuell Aristipp lieber, liest ihn aber nicht, weil man lieber Party machen geht, als *NF* sagt einem möglicherweise Budda mit seinem Altruismus eher zu und als *NT* gefällt Platon und seinen Wunsch, die Struktur der Welt zu verstehen, vielleicht besser.

Verschiedene_Arten_Glueck_zu_empfindenNaja, tun wir mal einfach so, als würde man gerne glücklich sein. Wenn man es nicht ist, stolpert man eventuell über irgendwelche beratenden Bücher, die (überspitzt gesagt) mit „Du musst einfach nur …“ anfangen und mit sowas wie „… jeden Tag leben als wäre es dein letzter.“ weitermachen. Mal abgesehen davon, dass mein Morgen vermutlich ziemlich übel wäre wenn ich mein Heute nach dieser Devise gestalten würde (Wingsuit Basejumping anyone? :)), kommt dazu, dass solche Tipps gerne von Leuten gegeben werden, die selbst eh einfach schon ziemliche Dauergrinser sind. Damit will ich nicht ausschliessen, dass es nicht auch tatsächlich hilfreiche Techniken geben kann, sondern nur darauf hinaus, dass Glücklichsein genau wie viele andere Charakterzüge auch, unter anderem eine genetische Komponente hat. (Man kann nicht einfach abhaken, welche Punkte/Ebenen der Bedürfnispyramide bei einem Menschen erfüllt sind, und dadurch wissen, wie glücklich er sich fühlt.)

HerzSelbst so ein netter Ratschlag wie „Entscheide dich so, dass du es im Alter rückblickend nicht bereuen wirst.“, der meistens darauf abzielt, Chancen nicht zu verpassen sondern zu ergreifen, hat Schwächen, denn selbst innerhalb von 10 Jahren kann sich unser persönliches Wertesystem stark verändern, sodass wir dann praktisch wieder ein anderer Mensch sind, auch wenn wir in fast jedem Alter gerne meinen, dass unser jetziger Charakter schon vollendet sei.

Deshalb trage ich jetzt einfach ein paar Dinge, die mir bei meiner Recherche so über den Weg gelaufen sind, zusammen.

BaumUnser erlebendes Selbst und unser erinnerendes Selbst müssen sich nicht immer einig sein. Man erinnert sich manchmal nur an den besten oder den schlimmsten Teil einer Erfahrung bzw. das Ende, nicht aber an die Gesamtheit (vgl. Peak–end rule und Duration neglect). Die erinnerte Vergangenheit ist also nicht unbedingt ein perfekter Indikator dafür, was man mögen wird. Ebenso kann einen die vorausschauende Überlegung, was nun glücklich machen würde, in die Irre führen. Man überschätzt systematisch die Freude, die man aus neuem materiellem Besitz ziehen wird im Vergleich zu anderen Optionen, die sich für den gleichen Preis bieten würden. Einfachere Dinge, die man dafür mehr bewusst erlebt (Theaterbesuche, Musikunterricht, Zeit zum Spazieren) sind auf Dauer oft größere Glücksspender als teure Autos, die man sich in die Garage des teuren Hauses oder in den Stau stellt. Andersherum ist es jedoch genauso. Wir überschätzen auch die dauerhaften negativen Folgen, die eine dramatische Änderung auf unseren Gemütszustand haben könnte. Überraschenderweise sind Lottogewinner oft nach einigen Jahren wieder ähnlich zufrieden/unzufrieden wie zuvor (auch wenn sie ihr Geld nicht verplempert haben), und auch Menschen, die eine Querschnittslähnung erlitten, scheinen sich daran zu gewöhnen. Es sieht also so aus, als würden wir weniger vom absoluten Zustand, sondern eher von seinen Änderungen (erste zeitliche Ableitung) abhängen.

Abgesehen von den offensichtlichen Schwierigkeiten Glück zu messen, scheint es zumindest hilfreich zu sein, wenn der sozioökonomischen Unterschiede im persönlichen Umfeld nicht allzu groß ist, man das Gefühl von Kontrolle über sein Leben hat und sich für irgendwas nützlich vorkommt.

Necker_cube.svgAnsonsten sind viele Erlebnisse auch einfach sehr mehrdeutig interpretierbar, und ähnlich wie beim Necker cube liegt es am Betrachter, ob er das ganze nun positiv oder negativ sieht. Wir sind gar nicht mal so schlecht darin, im Nachhinein Glück in Erlebnisse reinzusynthetisieren.

Mal abgesehen von alle dem (um den Bogen zum Anfang wieder zu schliessen), hat die Natur nicht vorgesehen (sowas kann sie ja grundsätzlich nicht), dass wir zwangsläufig glücklich sein müssen, sein werden oder werden können. Auch gibt es schwerwiegendere Selektionskriterien als dieses. (Allerdings kann man es üben). Also: YOLO! ^_^

Happiness_Flussdiagramm

Talent oder Training, Nature or Nurture, Veranlagung oder Umwelteinflüsse?

michael_jordan_free_throw_dunkGerade wenn Leute in irgendwas besonders gut sind, sei es irgendeine spezielle Sportart, eine allgemeine athletische Fähigkeit (wie bspw. Explosivkraft), das Spielen eines Musikintruments oder einfach nur im logischen Denken, fragt man sich manchmal ganz gerne, wieviel von dieser Leistung wohl angeboren ist (Talent, Nature, Veranlagung) und wieviel erst im Laufe des Lebens (Training, Nurture, Umwelteinflüsse) dazugekommen ist. („This is ten percent luck, twenty percent skill, fifteen percent concentrated power of will…“)

Auf den ersten Blick scheint die Frage auch vernünftig zu sein, da das Ergebnis sich ja schon aus diesen zwei Komponenten zusammensetzt.

TalentTrainingAdditivBei genauerem Nachdenken, merkt man aber schnell, dass an dieser mathematischen Analogie etwas nicht stimmt, denn ohne die richtigen genetischen Voraussetzungen (Körpergröße, Hebel, Anteil an schnellzuckenden Fasern in der Skelettmuskulatur, Anzahl der Beine Oo) wird man auch mit dem besten Training kaum von der Freiwurflinie Dunken können. Wenn Michael Jordan allerdings niemals etwas mit Basketball (oder Sport allgemein) zu tun gehabt hätte, würden seine jump shots vielleicht ähnlich weit am Korb vorbeisegeln wie die deiner Oma. 😉

Es scheint also eher das Zusammenspiel (nicht die Summe) beider Faktoren zu sein, von dem das Ergebnis abhängt. Eine multiplikative Analogie beschreibt es für meinen Geschmack besser:

TalentTrainingMultiplikativEin gleichseitiges Rechteck kann noch so lang sein, die Fläche ist trotzdem Null wenn die Höhe Null ist.

Oder anders: Beim Vortrieb eines Schiffs kann man auch nicht sagen, ob die Schiffssraube oder die Stärke des angeschlossenen Motors wichtiger ist. Wenn eins kaputt ist, kann das andere noch so gut sein, es geht nix.

Falls man sich tatsächlich trauen würde, diese beiden facettenreichen Größen auf jeweils eine eindimensionale Skala, die dazu wohl noch recht willkürlich gewählt wäre, zu projizieren, könnte man beide trotzdem nicht (zumindest nicht ohne wie auch immer herbeiphantasierte Umwandlungsfunktion) miteinander vergleichen. Es wären nunmal unterschiedliche Einheiten. Zusätzlich ist es auch noch definitionsabhängig, was denn nun alles zur Veranlagung gezählt wird. Prinzipiell ist es auch veranlagt, dass man nicht unter Anenzephalie leidet und dass man keine Amöbe ist.

SchiffsschraubeBeim Hochleistungssport ist die Frage noch ziemlich harmlos und oft eher für Talentscouts interessant, wobei natürlich noch mehr an Komplexität dazukommt, da Lernkurven unterschiedlich verlaufen, und sich auch bei quasi gleichem Training verschieden überholen können. Talent ist halt doch keine eindimensionale Größe. Da viele Hochleistungssportler unter Umständen schon recht lange (incl. Frühförderung usw.) sehr optimiert trainieren, kann in solchen Fällen die Veranlagung dann aber den entscheidenen Unterschied machen. Wie sehr es sich dabei optisch Bemerkbar macht, dass man es teilweise mit ziemlich krassen Mutanten zu tun hat, hängt von der Sportart ab. 😉

Wenn es jedoch um alltägliche Dinge geht, kann es schon sein, dass auch wir wissen möchten, ob etwas eher angeboren oder eher nachträglich von Außen zugefügt (Erziehung, Lebensstil usw.) ist. Denken wir nur beispielsweise an Hyperaktivität bei Kindern, Herzinfarktrisiko, IQ, Gesundheit im Alter, Noten im Mathe-Unterricht, psychische Störungen usw. Auch bei all diesen Dingen lässt sich nicht wirklich sagen, was „mehr“ ausmacht, Veranlagung oder Umwelteinflüsse.

Klar, durch Analyse von Statistiken kann man beispielsweise herausfinden, um welchen Faktor das Risiko, bspw. an Multiple Sklerose zu erkranken, höher ist wenn ein Elternteil daran leidet, aber auch dann weiß man nichts genaues, denn Kinder teilen sich mit ihren Eltern meistens nicht nur die Gene, sondern auch die Umwelteinflüsse. Es gibt natürlich Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen. Wenn man über genug solcher Fälle Zahlen bzgl. des zu untersuchenden Phänomens hat, kann man nur diese Auswerten, aber schon während der Zeit im Mutterleib werden sich auch Umwelteinflüsse, die sich viel später immernoch auffällig auswirken können, geteilt, weswegen auch hier eine kleine Restunsicherheit bleibt.

562px-Tubal_Pregnancy_with_embryoWenn dir demnächst also jemand erzählen will, irgendetwas sei „nur Veranlagung“ oder „nur Erziehung“ oder sonstwas, weißt du, dass die Zusammenhänge nicht so einfach sind.

Faustregel (nicht belegt, nur ein persönliches Gefühl): Wenn etwas sehr gut läuft, beispielsweise wenn Bodybuilderer/Pianisten/Physiker ziemlich krass gut sind, sagen sie über sich selbst gerne mal, dass sie gar keine „guten Gene“ hätten, sondern sich alles nur hart erarbeitet hätten. Wenn etwas schlecht läuft, beispielsweise wenn jemand Typ-2b-Diabetes hat, sagt er ganz gerne mal, dass er da nichts dafür kann, und alles angeboren sei. Beides scheint mir aber eine Form des self-serving bias zu sein. (Mehr über solche kognitiven Verzerrungen kann im Artikel „Zwei Systeme und nur ein Kopf“ nachgelesen werden.) Klar hat David Garrett auch extrem viel und gut geübt, und viele Leute, denen es gesundheitlich schlecht geht, haben auch einfach nur Pech gehabt, aber wenn man wirklich über Ursachen nachdenken will, kann es praktisch sein, solche „Schuld-Fragen“ wegzulassen.

krasser_RueckenIm Zweifelsfall kann man dem Anderen leicht vorführen, dass z.B. die Anzahl der Nasenlöcher auch durch Umwelteinflüsse verändert werden kann. Ähm, nein, lieber doch nicht. 😉

Dooooooooooooooooooof.

Früher hatte ich manchmal das Gefühl, dass die ganze Welt irgendwie Verarsche sein muss, so dämlich wie die Gesellschaft sich als Ganzes oft verhält. Mit etwas Spieltheorie kann die Entstehung einiger Muster jedoch ansatzweise erklärt werden.

Damit dieser Artikel Sinn ergibt, ist es nötig, dass du das prisoner’s dilemma, dass ich im Artikel „Rache ist ja soo selbstlos… 😉“ beschrieben habe, verstanden hast. Also, falls das gerade nicht präsent ist, kannst du eben nochmal kurz nachlesen. Ich warte hier auf dich. 🙂

Aus dem Artikel „Zwei Systeme und nur ein Kopf“ wissen wir ja, dass Menschen oft nicht rational entscheiden. Zusammen mit der Vorstellung der Linsensuppe im Kopf stellt sich die Frage, ob humanes Verhalten sich überhaupt spieltheoretisch (also mathematisch) sinnvoll und alltagsrelevant untersuchen lässt. Antwort: Ja, das tut es. Denn auch wenn Gefühlentscheidungen in vielen Kontexten unlogisch erscheinen, hat sich der genetisch kodierte Teil unseres Verhaltens über Millionen von Jahren durch Selektion, deren Funktionsweise sehr gut logisch zu ergründen ist, herausgebildet. Ein paar Beispiele dafür gibt es im Artikel „Evolution und Folgen des parental investments„. Dazu kommt, dass Selektion nicht nur auf genetischer Ebene stattfindet, sondern auch beispielsweise zwischen Unternehmen. Es sind natürlich alles nur genäherte Modelle, die jedoch nützlich sein können. So, aber nun genug des Vorgeplänkels; auf geht’s! 🙂

Adam Smith hat uns ja beigebracht, dass in einem freien Markt alle profitieren wenn jeder zu seinem eigenen Besten handelt. Ein Anbieter einer Ware will Profit machen, und gibt sich deshalb Mühe, mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis zu glänzen, denn nur dann kaufen die Kunden, die für sich selbst ja auch nur gutes wollen, auch bei ihm. Durch diese Konkurrenz zwischen den Anbietern haben die Kunden, also die Gesellschaft, es maximal schön. Der erwähnte Schottische Ökonom nannte diese Kraft, die Allen zu Gute kommt, die „unsichtbare Hand“ des Marktes.

Diese Hand langt manchmal aber auch voll daneben; besonders in Märkten mit asymetrischer Information, also in diesem Fall wenn der potentielle Kunde die Qualität der Produkte nicht so gut wie der Anbieter kennen kann. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Gebrauchtwagenmarkt, aber viele andere Bereiche sind ebenso passend. Beispielsweise beim Schnitzelkauf im Supermarkt weiß man auch nicht unbedingt, wie es um die Qualität bestellt ist. Und schon haben wir ein prisoner’s dilemma! Ja wo das denn? Zwischen den Anbietern! Wenn alle gute Produkte auf den Markt werfen, reguliert sich der Preis auf ein bestimmtes Niveau ein (Marktgleichgewicht). Die PD-Spieler kooperieren. (Keiner der Anbieter schummelt, indem er getarnten Müll einbringt.) Wenn einer jetzt jedoch Schrott (wertloses Auto, extrem billig produziertes Fleisch usw.) hervorzaubert, kann er damit zunächst mehr Gewinn machen, da er es zum gleichen Preis verkaufen kann, jedoch weniger Herstellungskosten hatte. Im PD-Jargon defektiert er also. Den Kunden wird die sinkende Durchschnittsqualität (erhöhte Chance, Mist zu erwischen) bewusst, weswegen er nicht mehr bereit ist, so viel zu bezahlen. Der Gesamtpreis auf dem Markt (auch der, der qualitativ hochwertigen Produkte) sinkt. Die Defektion hat also ganz klassisch allen PD-Spielern geschadet. Um Kooperation zur evolutionär stabilen Strategie zu machen, ist Rache gut. Das ist hier aber nicht so einfach. Damit das ganze nicht total eskaliert, hilft leider nur Kontrolle und informierte Kunden, die irgendwie herausfinden, welche Anbieter ihnen die Montagsautos und das Gammelfleisch andrehen wollen (Screening). Die Spieler, die auf Qualität setzen, können das zwar durch Gütesiegel zeigen (Signaling), aber das klappt auch nicht immer. Self-Selection in Form von hochwertigen Verträgen (z.B. zwei-Jahres-Garantie für Gebrauchtwagen) bietet sich auch nicht immer an. Da „beschissen“ zunächst kurzfristig die dominante Strategie (die durch auf reinem Preisvergleich basierenden Kaufentscheidungen der Kunden auch noch gefördert wird) sein kann, lässt sich nicht vermeiden, dass sie auch gespielt wird. Eventuell pendelt sich das Nash-Gleichgewicht irgendwo bei „ein Bischen Mist, aber nicht zu viel“ ein. Je nach aktueller Phase im Kondratjew-Zyklus (falls es sowas tatsächlich geben sollte) könnte es auch schwanken. Ich stelle mir vor, dass während eines Aufschwungs mehr kooperiert wird als während eines Abschwungs.

Themensprung -> Presse/Medien. – Es wäre ja toll wenn alle gewissenhaft und wahrheitsgetreu berichten würden, jedoch wäre auch das kein evolutionär stabilder Zustand. Der Selektionsdruck kommt hier von den Konsumenten. Anbieter, die das drucken/zeigen, was am meisten gekauft wird, verdienen mehr als die, die drucken/zeigen, was wahr/nützlich/sinnvoll ist. Wenn die Leute nützliche Wahrheit lesen/sehen wollen, wird es die (oder etwas, das auch auf den zweiten Blick noch danach aussieht) auch geben; wenn nicht, dann aber auch nicht (zumindest nicht so viel.) Damit die schönen Geschichten nicht zu absurd wirken, ist der Ursprung machmal authentisch, jedoch die Tatschen sind so verzerrt, dass nur noch wenig wiederzuerkennen ist. Ein Beispiel dafür ist, wie bei gefundener Korrelation oft von angeblicher Kausalität berichtet wird. Es verkauft sich einfach besser.

Dieses Muster jetzt auf die Politik zu übertragen ist einfach: Welcher Politiker wird sich mehr durchsetzen (gewählt werden)? Kandidat A, der alle seine Energie da rein steckt, sinnvolles zu sagen und zu tun, oder Kandidat B, der seine Energie mehr darein steckt, die Wähler dazu zu bringen, ihn zu wählen, indem er ihnen erzählt, was sie hören wollen? Auch hier ist die Strategie von A wieder keine evolutionär stabile, weil sie von der von B flott invadiert wird. Merkst du, dass das nicht das Gleiche ist wie „Politiker… Alle an die Wand stellen…“, das mein Schwiegeronkel gerne mal sagt? Es geht stattdessen darum, dass auch wenn nur 600 von 30000 Politikern so sind, es sein kann, dass genau diese in einer Demokratie nach oben gespült werden. Den Auftrieb dafür liefern wir selbst.

Ein weiteres „schönes“ ist das Beitragsdilemma. Angenommen, es gibt ein Ziel, dass (fast) alle eigentlich gerne erreichen wollen, wie beispielsweise saubere Luft (Klimaschutz) oder Meere, in denen langfristig noch genug Fische sind. Jeder hätte einen Vorteil daraus. Wenn man als Staat aber selbst nicht so sehr mitmacht bei der Klimasache, spart man viel Geld und profitiert ja trotzdem davon, dass die anderen schützen. Die Erhöhung des globalen Gesamtschadens, die man dadurch verursacht, wiegt den lokalen wirtschaftlichen Vorteil nicht auf, genau wie bei der Fischindustriefirma, die dann doch alles rausholt, was geht. Lokale „Schlauheit“ bedeutet oft globale Dummheit. Das Ganze nennt sich dann Tragik_der_Allmende.

Hilft es, das zu wissen? Naja, muss nicht, aber zumindest ich ich fühle mich etwas besser wenn ich verstehe, warum das, was doof ist, doof ist. Und wenn das auch nichts mehr nützt, dann vielleicht nocht das Bewusstmachen, dass Willensfreiheit eine Mär ist. 😉

„Ich glaube nicht an die Freiheit des Willens. Schopenhauers Wort: ‚Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will‘, begleitet mich in allen Lebenslagen und versöhnt mich mit den Handlungen der Menschen, auch wenn sie mir recht schmerzlich sind. Diese Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens schützt mich davor, mich selbst und die Mitmenschen als handelnde und urteilende Individuen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.“ – der schlaue Albert

Zu guter Letzt sei nochmal am Beispiel der nicht nachhaltigen Fischerei gezeigt, dass man nicht einfach nur im Stau steht, sondern selbst der Stau ist: Wenn wir mit unseren Kaufentscheidungen bewusst darauf einwirken würden, zu fördern, was wir eigentlich für gut befinden („Geld ist Stimmzettel.“ und so), würden sich einige Probleme lösen. Aber wer hat schon tatsächlich den Greenpeace-Einkaufsratgeber im Supermarkt dabei…

Zwei Systeme und nur ein Kopf

Da wir eigentlich ja nur Linsensuppe in unseren Köpfen haben (siehe Neuronale Netze und das Leib-Seele-”Problem”), entspricht jede einfache Modellvorstellung über unsere mentalen Zustände natürlich nicht der biologischen Realität. Trotzdem finde ich manche Ansätze da recht nett, einfach um in der Praxis etwas zu haben, mit dem man forschen und sich im Alltag bewegen kann. Daniel Kahneman und Amos Tversky haben sich da etwas ganz nettes ausgedacht. Das Denken wird in zwei Systeme (1 und 2) unterteilt. Auch wenn es sich auf den ersten Blick vielleicht etwas wie das Freud’sche Es und Ich oder die bildhafte Funktionstrennung der zwei Gehirnhälften anhört, ist es doch anders.

  • System 1 ist schnell, automatisch, intuitiv, implizit und unbewusst.
  • System 2 ist langsam, abwägend, analytisch, bewusst und anstrengend.

Das meiste, was wir so tun oder entscheiden kommt von System 1. Es kann ganz tolle Dinge wahnsinnig schnell und sicher. Dinge, die man am Computer bisher so noch nicht in dieser Qualität und Effizienz implementieren konnte. Du brauchst dir nur kurz dieses Bild anschauen:

Auch ohne Sherlock Holmes zu sein, weißt du sofort, dass der Typ da das kleine Kind vermutlich sehr gerne mag, das Kind gerade von irgendwas abgelenkt ist, die Zunge rausstreckt usw. Über nichts davon musstest du nachdenken. Du wusstest es sofort. Dein System 1 hat Blickrichtungen, Gesichtsausdrücke usw. blitzschnell interpretiert und Schlüsse gezogen. Keine Software der Welt kann das so gut wie du.

Hier nun was für System 2:

Wahrscheinlich hast du gar keine Lust, das jetzt auszurechnen, denn es ist anstrengend. Wenn du es doch machst, erweitern sich deine Pupillen messbar bis du fertig bist. (238 ist übrigens das Ergebnis, du Fauli. :P) Hierbei wäre selbst jeder uralte Taschenrechner wesentlich schneller und zuverlässiger als du.

Wenn man übrigens den beiden Systemen einen MBTI zuordnen wollen würde, würde *NFP (zu 1) und *STJ (zu 2) vermutlich am ehesten passen.

So, System 1 ist toll, 2 stinkt ab. Es gibt aber auch außer langweiligem Kopfrechnen noch andere Dinge, die System 1 nicht so gut kann. Unvoreingenommen und objektiv urteilen ist eins davon. Es gibt eine Menge Schwächen, die in bestimmten Situationen zum Tragen kommen. Das Gemeine daran ist, dass wir sie gar nicht wahrnehmen, weil System 2 im Normalfall einfach schluckt, was es von System 1 so vorgesetzt bekommt. Wir identifizieren uns zwar immer mit unserem System 2, sind aber in Wahrheit viel viel mehr unser uns selbst fast unbekanntes System 1. Optische Illusionen kennen wir alle ein paar, wie beispielsweise die Müller-Lyer-Illusion:

Man meint, die untere Linie sei auch wenn man die komischen Enden weglässt eindeutig länger als die obere, ist sie aber nicht:

Wenn man diese Dinge kennt, fällt man nicht mehr drauf rein. Statt optischen Illusionen gibt es auch kognitive Illusionen (zum Teil auch Denkfallen genannt), in die unser System 1 kompromisslos reinlatscht, und das auch bei wichtigen Entscheidungen, die weitreichende Folgen für unser und das Leben anderer haben können. Deshalb denke ich, lohnt es sich, einige davon zu kennen. Das Ganze in der Hoffnung sie im richtigen Moment auch zu bemerken, und die Ergebnisse unter Benutzung von System 2 nochmal überdenken zu können. (Zumindest sollte man wissen, dass es sie gibt.)

Fangen wir mit etwas (emotional) einfachem an: Sagen wir, ich trainiere eine Basketballmannschaft. Einer der Spieler schießt schlecht Freiwürfe, weswegen ich sie nach dem normalen Training nochmal extra mit ihm übe.

Von den ersten 10 Würfen trifft er 8 Stück. Das finde ich gut, und lobe ihn dafür. Von den nächsten 10 versemmelt er 7, worauf ich ihn tadel. Danach sind es wieder ein paar mehr, usw. Ohne Nachzudenken könnte ich das Gefühl bekommen, dass er durch Lob beim nächsten mal schlechter wird und durch Tadel besser. Also lasse ich das Loben doch lieber ganz sein. Freiwürfe haben aber nunmal zusätzlich zum Können auch etwas mit Glück zu tun, wodurch es ganz normal ist, dass man mal mehr und mal weniger trifft. Nach einem besonders guten oder schlechten Ausreißer ist es normal, dass wieder zur Mitte hin regressiert wird. Das muss gar nicht unbedingt etwas mit dem Kommentar des Trainers zu tun haben. Wenn man eine Studie mit mehreren Spielern macht, könnte sogar dabei herauskommen, dass Zuckerbrot im Schnitt wesentlich besser funktioniert als Peitsche, und die kurzfristig subjektiv entstandene Trainer-Intuition, der sich auf Grund dieser schon nur aufs Meckern versteift hat, genau falsch war. Soetwas kann natürlich auch in anderen Situationen vorkommen, in denen der Zufallsfaktor nicht so offensichtlich ist. Erkennt ein Personalmanager, dass die Leistungen seiner Mitarbeiter unter anderem auch ganz natürlichen Zufallsschwankungen (auch von Projekt zu Projekt) unterliegen, oder kommt er eher zu dem Schluss, dass die Leute Lorbeeren nur benutzen, um sich darauf auszuruhen? (Es könnte tatsächlich so sein, es könnte aber genau wie beim Freiwurftraining Quatsch sein.)

Auch wenn man gar nicht selbst interagiert (in dem Fall lobt oder tadelt) gibt es lustige Effekte. Wenn ein Skisprung-Event zwei Tage geht und ein Springer am ersten Tag besonders gut war und am zweiten nur noch mittelmäßig neigen Reporter gerne zu Aussagen wie „Nach der Spitzenleistung war der Erwartungsdruck einfach zu hoch.“. Wenn jemand, der am ersten Tag besonders schlecht war am zweiten Tag besser war, heißt es „Jetzt konnte er ganz gelöst springen, er hatte ja nichts mehr zu verlieren.“. Dabei ist es in beiden Fällen wieder nur ganz banale Regression zur Mitte gewesen. Aber System 1 ist sehr gut darin, in allem irgendwelche Kausalzusammenhänge zu sehen, auch wo keine sind. Dazu kommt, dass es meistens auch nur einen Grund ausspuckt, anstatt die Komplexität der Sache zu erfassen wenn tatsächlich sehr viele Faktoren zusammenkommen (Fallacy of the single cause). Und hinterher sagt man dann gerne „Hab ich doch gleich gesagt.“ (hindsight bias) selbst wenn man es gar nicht wirklich hatte. Die Erinnerung spielt einem da einfach einen Streich, denn sie ist manchmal nicht sehr stabil. Ja, wir erinnern uns an Dinge, die gar nicht so waren!

Das Self-serving bias ist eine Eigenschaft von System 1, die einen dazu bringt, eigenes Scheitern eher auf äußere Umstände zu schieben und Erfolg eher auf innere Werte/Fähigkeiten. Börsianer sind darin besonders gut. Der Markt ist ziemlich effizient (Was es über ein Wertpapier zu wissen gibt, ist schon im Preis mit drin.) und die Erträge der Spekulanten sind genauso verteilt wie wenn man seine Aktien einfach zufällig auswählen würde (siehe Don’t Blink! The Hazards of Confidence). Im Prinzip wird da mit sehr hohen Beträgen nichtmal Poker sondern eher Roulette gespielt, und die, die bisher Glück hatten, werden für angebliche Fähigkeiten bewundert. (Wenn jemand beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielen fünf mal hinter die sechs würfelt, würde einem doch auch kein „Boa, krass wie du’s drauf hast!“ entfleuchen. ;)). Aber dass die Börse chaotisch ist, will unser System 1 einfach nicht wahrhaben, und es wirft immer weiter mit Kausalerklärungen um sich. Beim Basketball macht man etwas ähnliches wenn man davon ausgeht, dass Spieler soetwas wie eine „heiße Hand“ haben wenn sie mehrmals hintereinander getroffen haben. Entgegen allgemeinem (Irr-)Glauben ist die Chance nach ein paar getroffenen Würfen wieder nicht daneben zu werfen statistisch nämlich nicht erhöht. Die Welt ergibt aber einfach viel weniger Sinn als wir denken. Ein großer Teil der Kohärenz entsteht erst (und nur) in unserem Kopf. 🙂

Dazu kommt, dass für solche Schlussfolgerungen von System 1 dann gerne auch nur noch die Tatsachen wahrgenommen werden, die sie bestätigen und die anderen ausgeblendet werden (confirmation bias). Beispielsweise wenn wir uns einbilden, dass eine Ampel immer rot wird wenn wir gerade mit dem Auto dahinkommen, oder dass unsere Supermarktkassenschlange immer die langsamste ist, machen wir das. System 1 hat es mit statistischem Denken (siehe Basketballtrainer/Personalchef) nicht so wirklich und produziert Erklärungen zwar wie irre, trifft die Wahrheit aber manchmal ähnlich präzise wie ein Besoffener beim Pinkeln das Klo. 😉

Wohin es trifft, kann dazu auch noch geprimed sein. Anchoring ist nur eins von vielen witzigen Beispielen dazu. Kognitions-Psychologen haben um das zu Testen Leute befragt, was die schätzen wieviel Prozent der Staaten in Afrika Mitglied der vereinten Nationen sind. Bevor die Leute diese Schätzung abgeben sollten, wurde ein Glücksrad mit Zahlen drauf gedreht, was so manipuliert war, dass es entweder bei den Zahlen 10 oder bei 65 stehen bliebt. Obwohl die Versuchsteilnehmen natürlich wussten, dass das Rad nichts mit der Frage zu tun hat, hat die 10er-Gruppe im Schnitt 25% geschätzt und die 65er-Gruppe 45%. Total banale Einflüsse können das Ergebnis also stark verändern. (Bei Verkaufsverhandlungen versuchen wir übrigens oft unser Gegenüber an irgendeine Zahl zu ankern.)

Aber auch Verhaltensentscheiden, die wir unseren innersten stabilsten Werten zuschreiben können sich durch Nichtigkeiten ändern. In einer Studie (vor der Zeit der Mobiltelefone) ließ ein Schauspieler vor einer Telefonzelle sein Zeug fallen, als der Benutzer eben dieser gerade heraus kam. Es wurde gemessen wie hoch der Anteil der Leute, die beim Aufheben geholfen haben, unter den Telefonierern war. Nur einer von 25 Leuten half. Wurde jedoch vorher ein 10-cent-Stück auf dem Telefon platziert, was die Testperson dann dort fand (und sich vermutlich drüber freute) wurde in 14 von 16 Fällen geholfen. (Do We Really Have Any Character Traits?)

Zumindest bei einem für einen selbst unschönen Ergebnis schützt das Self-serving bias ist einen ja noch ein Bischen, aber wenn es um das Beurteilen des Verhaltens andere Leute geht, machen wir den Fundamental attribution error häufig. Wer intuitiv verstanden hat, dass die echten Erklärungen oft weniger intern, stabil und global und dafür mehr extern, instabil und lokal sind (siehe Explanatory style), hat schon einen großen Vorteil, weil er nicht nur über andere weniger schnell urteilt sondern auch selbst weniger depressionsgefährdet ist. Es scheint übrigens so zu sein, dass dieser Fehler in westlichen Kulturen öfter begangen wird als in asiatischen. Vielleicht liegt das ja ab der hier verbreiteten albernen Vorstellung von Gut und Böse.

Ein weitere Eigenschaft von System 1, die es zu kennen lohnt, ist die, dass es schwer zu beantwortende Fragen intern gerne durch leichter zu beantwortende ersetzt werden, und die Antwort zu diesen dann als angebliche Antwort auf die eigentlichen Fragen präsentiert werden (Attribute substitution). Wenn wir beispielsweise nach zwei Vorstellungsgesprächen beurteilen wollen, welcher der beiden Ingenieure, die sich beworben haben, wohl der bessere System-Entwickler ist, was schwer zu entscheiden ist. Aber hey, wir wissen doch, welchen von beiden wir netter finden, also tun wir doch einfach so, als wär‘ der besser. (Hier kommt die substitution mit dem zusammen Halo-Effekt.)

Das Availability Bias ist eine weitere nette Heuristik, die System 1 gerne anwendet, besonders wenn wir Risiken einschätzen wollen. Der Wahrscheinlichkeit an einer Krankheit oder durch einen Autounfall zu sterben ist weeeesentlich höher als die, durch einen Flugzeugabsturz oder einen Terroranschlag ums Leben zu kommen. Trotzdem sind die beiden letztgenannten Szenarien in den Medien wesentlich präsenter, was dazu führt, dass diese Gefahren extrem überbewertet werden. Das Problem ist, dass System 1 sehr schlecht aus Statistiken lernt und wesentlich mehr aus anschaulichen Einzelfällen, auch wenn diese eigentlich irrelevant sind. Wenn du mit deinem letzten Fernseher der Firma Blony „nichts als Probleme“ hattest, würde eine Statistik, die eindeutig zeigt, dass Geräte dieser Marke am zuverlässigstens sind, dich dazu bringen, dass dein nächster wieder ein Blony ist?

Als weiteres und (endlich ;)) letztes Highlight der System-1-Spezialitäten hätte ich nun noch die Conjunction fallacy zu bieten. Meine Version vom Linda-Problem sieht wie folgt aus:

Es gibt einen Tobias (über den du bisher noch gar nichts weißt), der als Schüler und Student immer sehr gerne viel Sport gemacht hat und mehr trainiert als gelernt hat. Nun ist er 30 Jahre alt. Welche dieser beiden Aussagen über Tobias hälst du für wahrscheinlicher:

  • A) Tobias arbeitet als Software-Entwickler.
  • B) Tobias arbeitet als Sofware-Entwickler und hängt mehrmals die Woche in Sporthallen rum und tobt sich dort aus.

Wenn du jetzt B sagst, hast du den gleichen Fehler gemacht, wie die Mehrzahl der Leute in der Originalstudie. SW-Entwickler, die in Sporthallen rumgammeln sind eine Untermenge aller Software-Entwickler. Aussage B kann also nicht wahrscheinlicher sein als A, was man an folgendem Euler-Diagramm gut sieht:

System 1 ist nicht nur manchmal schlecht in Statistik sondern auch im Beurteilen von Wahrscheinlichkeiten und im Anwenden von einfachster Logik. Entscheidender ist, wie schön passend sich die Geschichte anhört (cognitive ease).

Malcom Gladwell sagt uns zwar, dass wir uns auf unsere erste Eingebung verlassen sollen, was auch oft richtig ist. Ich sage jedoch, dass wir sie zwar nutzen sollen (was ich als INTJ sowieso oft tue), es aber auch gut ist, zu wissen, dass man in nicht wenigen Situationen besser dran ist, wenn man sein System 2 benutzt, um seine Intuition aus System 1 kritisch zu hinterfragen. 🙂 Vielleicht kann man System 1 ja auch bewusst etwas darauf hintrainieren, noch bessere Intuitionen zu entwickeln, denn gerade wenn System 2 schon mit etwas anderem beschäftigt ist, will man ja nicht ungesichert ausgeliefert sein. 😉
Das Schalten beim Autofahren musste man in der Fahrschule ja auch noch bewusst machen und nun geht es wie von selbst. Und wieso sollte das nur mit Koordinationskram funktionieren? 🙂

Wenn du jetzt Spaß an sowas gefunden hast und gerne noch mehr solcher Voreingenommenheiten und Fallen kennenlernen willst, schau doch einfach mal bei Wikipedia rein: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_fallacies, http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cognitive_biases

Achja, die Prospect Theory (incl. Loss aversion, Endowment-Effekt, Mental accounting, usw.) finde ich ebenfalls recht amüsant, weil sie zeigt, inwiefern das das klassische rationale Verhaltensmodell der Wirtschaftswissenschaft nicht hinhaut. Aber drüber hier zu schreiben würde den Rahmen sprengen, also sieh und lies selbst. 😉

Nachtrag (27.11.2012): Es scheint so, dass einige der kognitiven Verzerrungen stark reduziert werden, wenn man über die Fragen, bei denen sie auftreten, in einer Fremdsprache (die man gut beherrscht) nachdenkt. Koreaner entscheiden beispielsweise rationaler bei Problemen, die in Englisch formuliert sind, Engländer bei Französischen vorgetragenen Fragen. Hier gibt es noch einiges zu erforschen mit eventuell interessanten Implikationen, die wir vielleicht sogar in unseren Alltag einfließen lassen könnten. 🙂

Aufgeschlossenheit

„Sei doch nicht so engstirnig. Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die du nicht verstehst. Sei denen gegenüber doch mal aufgeschlossen.“
So oder so ähnlich könnte es sich anhören, was ein wissenschaftlich denkender Mensch von einem Anhänger einer Religion, Horoskopen, Homöopathie oder ähnlichem gesagt bekommt. Mal abgesehen davon, dass man Wissenschaft betreibt, gerade weil man noch lange nicht alles weiß und sich mit jeder Antwort oft doppelt so viele neue Fragen ergeben, scheint hier eine andere (mir unbegreifliche) Vorstellung von Aufgeschlossenheit vorzuliegen. 😉

Bei der wissenschaftlichen Methode passt man seine Überzeugungen den Ergebnissen, die die experimentelle Überprüfung der eigenen Theorien in der Realität zeigt, an; auch wenn das bedeutet, einzusehen, dass man vorher auf dem Holzweg war, oder man einen anderen Ausgang aus sonstigen Gründen eventuell irgendwie lieber gehabt hätte. Gerade in Wissenschaften, die in der Emergenz-Hierarchie ziemlich weit „links“ liegen (Medizin und so), ist das öfter mal der Fall, da sich die Empirie hier manchmal recht schwierig gestalten kann. Dinge wie Newtons Gravitationstheorie oder andere physikalischen Gesetze hingegen sind schon so oft überprüft worden und haben erfolgreich Anwendung in der Technik gefunden, dass es sehr extrem unwahrscheinlich ist, dass sie irgendwann widerlegt werden. Einsteins allgemeine Relativitätstheorie beispielsweise widerlegt Newton nicht, sondern erweitert ihn und zeigt, dass er ein Spezialfall eines allgemeineren Zusammenhangs ist.

„Aber früher haben auch die schlausten Leute gedacht, dass die Erde flach ist, also kann jetzt auch alles, was ihr denkt, falsch sein.“

(Mal abgesehen davon, dass die moderne Annahme, dass insbesondere die mittelalterliche Christenheit an eine Erdscheibe geglaubt habe, irrig ist:) Klar kann es das. Wir machen uns ja nur Modellvorstellungen, um unsere Beobachtungen zu erklären. Zu der Zeit, auf die sich eben bezogen wurde, gab es noch gar keine Ansprüche auf Überprüfbarkeit. Mit (moderner) Wissenschaft hätte das also nichts zu tun gehabt.

Religion, Astrologie, Alternativmedizin* usw. funktionieren wie ich das mitbekomme so, dass man zunächst an etwas glaubt, und das dann endweder gar nicht auf Wahrheit hin überprüft, Widersprüche und gescheiterte Experimente ignoriert, und wenn überhaupt nur die Fakten sieht, die einem in den Kram passen (und dabei auf Signifikanz scheißt). Für mich ist das das Gegenteil von Aufgeschlossenheit. 🙂

Also, sei doch mal aufgeschlossen dafür, dass dein Bewusstsein eventuell nichts transzendentes sein könnte, Arnica C30 dir nur durch den Placeboeffekt geholfen hat und du dein Horoskop auch auswürfeln kannst. Umgekehrt ist es die Wissenschaft ja auch. (Die meisten Chemiker würden sich forschungsmäßig sofort auf die Globuli stürzen, um herauszufinden, wie sie trotz nicht vorhandenem Wirkstoff besser funktionieren als ein genauso verabreichtes Pacebo, wenn sich im Versuch denn mal was anderes zeigen würde, als dass sie das nicht tun.) Bisher war es jedoch noch am Schluss jeder Scooby-Doo-Folge so, dass das vermeintlich übernatürliche Gespenst nach der Demaskierung seine wahre (natürliche) Herkunft gezeigt hat. 😉

Wenn du jemanden triffst, der sich zwar Wissenschaftler nennt, jedoch neuen Erkenntnissen gegenüber nicht aufgeschlossen ist, ist das kein Fehler in der wissenschaftlichen Methode, sondern einer, den dieser Mensch macht. Porsches sind ja auch nicht kacke, nur weil du ein Arschloch kennst, dass einen fährt. Don’t hate the Game. Hate the Player. ^_-

*Weißt du, wie man Alternativmedizin, von der gezeigt wurde, dass sie funktioniert, nennt? – Medizin. 🙂

Persönlichkeitstypologie, MBTI und „Alle anderen sind doof.“

Schon seit sehr vielen Generationen machen sich einige Menschen darüber Gedanken, wie sie die verschiedenen Charaktere ihrer Mitmenschen kategorisieren könnten. Die grundsätzliche Schwierigkeit dabei ist natürlich, dass sich so etwas komplexes wie eine ganze Persönlichkeit kaum mit einer von ein paar Schubladen auch nur annähernd vollständig beschreiben lässt. Dennnoch gibt es einige Hinweise, dass nicht alles, was man in diese Richtung tut, total nutzlos ist. Dazu später jedoch mehr.

Von den verschiedenen Typologien, die ich bisher gesehen habe, gefallen mir der Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) bzw. der diesem ziemlich ähnlichen Keirsey Temperament Sorter zusammen mit den Big Five, um die es hier aber nicht geht, am Besten. Hierbei handelt es sich um einen 4-dimensionalen Beschreibungsraum, bei dem der Einfachheit halber jede Dimension binarisiert wird.

Ob Menschen eher immer zu einer der beiden entsprechenden Seiten neigen oder eher in der Mitte sind, lässt sich schwer sagen, da es für solche psyschichen Größen keine wirkliche Maßeinheit (im Gegensatz zu beispielsweise Körpergröße in Metern) gibt, und die Skala somit durch das Test- und Bewertungssystem einigermaßen beliebig festgelegt werden kann. Durch die Abbildungsfunktion „Antworten->Zahl“ kann man natürlich eine Normalverteilung oder eine Cauchy-Verteilung erzeugen, eine Gleichverteilung oder etwas bimodales bekommt man jedoch genauso gut hin. (Die Antworten sind ja keine stochastisch unabhängigen Zufallsvariablen.) Der IQ beispielsweise (auch wenn er nichts mit dem MBTI) zu tun hat, ist nur gauß-verteilt, weil er im Vorhinein so festgelegt wird. Die Tests werden so normiert, dass die Mitte bei 100 liegt, und x Prozent der Menschen zwischen 70 und 130 sind. Die sich ergebende Kurve ist also mehr Konvention als absolute Wahrheit. Einige Ansätze (bezogen auch auf den MBTI) gibt es aber natürlich trotzdem. (Gibt es Typen?, Bimodal score distributions and the MBTI: Fact or artifact?, Item response theory) Psychometrie ist halt fies. 😉

Naja, wie auch immer, im Endeffekt gibt es also 4 Kategorien, in denen man jeweils einen von zwei Buchstaben zugeordnet bekommt, wobei es kein „besser“ oder „schlechter“ gibt. Darüber, wie viel Vererbung, Erziehung oder Peergroups ausmachen, oder wie sehr sich sowas im Laufe des Lebens verändert, sind mir bisher leider keine Statistiken bekannt. Aber nun zu den Dimensionen:

  • I(ntrovertiert) <-> E(xtravertiert): Diese Unterscheidung ist ja recht geläufig. Manche Menschen mögen viele Sozialkontakte und schöpfen daraus Energie, andere hingegen tanken auf wenn sie für sich sind.

  • (I)N(tuitiv) <-> S(ensorisch): Diesen Unterschied finde ich persönlich am interessantesten, weil er nicht so direkt sichtbar ist, jedoch viel ausmacht und zu lustigen Konflikten (auch im Beruf) führen kann. Intuitive Menschen achten viel auf (teilweise abstrakte) Zusammenhänge und auf das große Ganze. Eine Lösung sollte zu dem persönlich gewählten Grundlebensprinzip (z.B. Wahrheit, Liebe, Religion, Wissenschaft, standardkonformer sauberer source code) passen und fällt ganz gerne mal unter der Dusche oder morgens beim Aufwachen plötzlich und ohne explizites Nachdenken ein. Sensoriker konzentrieren sich lieber auf’s Detail und auf praktische Lösungen. Gefunden werden diese oft auch einfach durch Ausprobieren. „In erster Linie soll es halt irgendwie funktionieren.“ sagen sie da, während es die hardcore-intuitiven bei dem Satz alleine schon erschaudern lässt und sie drauf bestehen, dass es wichtiger sei, dass die „wahre“ (hoffentlich viel elegantere) Lösung gesucht wird. Ihnen geht es beispielweise oft eher um Ethik wo der Sensorische von Gesetzen redet, oder um Methoden, Muster, Verknüpfungen, Ursprünge und Grammatik wenn die S-Fraktion sich mehr für Fakten, Daten, direkten Nutzen und Vokabeln interessiert.

  • T(hinking) <-> F(eeling): Denker versuchen, Situationen rational zu analysieren. Lösungen sollen gerecht sein. Fühlende Menschen verlassen sich mehr auf ihre Empathie und möchten gerne einen Weg finden, der es vielen recht macht. Frauen sind im Schnitt öfter fühlend, Männer öfter denkend.

  • J(udging) <-> P(erceiving): Urteilende (judging) mögen endgültige Entscheidungen und halten an Plänen fest. Wahrnehmende (perceiving) legen sich lieber später fest und sind flexibler/spontaner, was Änderungen angeht

Mit der wissenschaftlichen Exaktheit hält es sich hierbei natürlich in Grenzen. Es geht mir jedoch auch nur darum, dass man mit Hilfe dieser Einteilungen eine grobe Vorstellung von den Möglichkeiten, wie sich andere von einem selbst unterscheiden können, bekommen kann, und so mehr Verständnis für andere aber auch für sich selbst entwickeln kann. Mir selbst als sehr intuitiven Menschen hilft das beispielsweise mit sensorischen Leuten besser klar zu kommen. Früher konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass man S sein kann, bzw. dass es so etwas überhaupt gibt. 😉

Durch Unverständnis findet man die Eigenschaften des jeweils anderen dann gerne mal schlecht. Vielleicht macht das, was jemand über einen mit dem jeweils anderen Buchstaben in einer Dimension denken könnte, die Sache ja sogar noch deutlicher:

  • I findet, dass E eine aufdringliche Laberbacke ist.
  • E hält I für einen abweisenden Einsiedler.
  • N findet, dass die Arbeiten von S Frickelei sind, und aus ödem Pragmatismus ohne wirkliches Verständnis für das Eigentliche entstehen.
  • S meint, dass N ein realitätsferner Idealist ist.
  • T ist von Fs gefühlsduseliger Unlogik genervt.
  • F empfindet T als kalt und herzlos.
  • J meckert P an, dass er ein planloser Chaot sei und es so nie zu etwas bringt.
  • P pupt J zurück an, dass er ein engstirniger Langweiler sei.
  • NT sieht in ST Dummheit.
  • ST meint hingegen, dass NT ein nutzloser Theoretiker ist.
  • NF findet SF oberflächlich.
  • SF hält NF für einen Träumer.

Ob der MBTI für Partnervermittlungen („Gegensätze ziehen sich an, Gemeinsamkeiten aus.“) nützlich sein kann, sei mal dahingestellt. In der Job-Beratung könnten aber durchaus sinnvolle Hinweise entstehen, was man sich vielleicht man angucken könnte.

Im Atlas of Type Tables findet man Statistiken darüber, wie sehr die verschiedenen Typen in unterschiedlichen Berufen vertreten sind. Hier zwei der Berufe, in denen es sehr deutlich wird:

Man sieht sofort, dass ein großer Anteil der Schulbusfahrer sensorisch-judging und damit „Guardian“ ist. Psychodramatisten sind eher intuitiv-fühlend.

Den möglichen Kombinationen aus Buchstaben kann man verschiedene Charaktere zuweisen. Auf den oben bereits verlinkten Wikipedia-Artikeln oder hier (oder hier) findet man mehr dazu.

Wenn du dich gerne selbst mal testen möchtest, gibt es im Netz genug Möglichkeiten, wie diesen kurzen Test oder diesen langen Test. Listen über die MBTIs von berühmten Menschen findet man ebenso.

Ich selbst bin übrigens INTJ, wobei sich mein J in letzter Zeit etwas mehr in Richtung P entwickelt. 🙂

Edit (2013-07): Mittlerweile stört mich am MBTI etwas, dass er suggeriert, dass sich die gegenüberliegenden Eigenschaften einer Dimension gegenseitig ausschließen. Ich denke beispielsweise, dass man durchaus gleichzeitig zuverlässig und offen für Neues sein kann. Bei den Big Five ist sowas möglich, wodurch man allerdings die Wertfreiheit des MBTI einbüßt, was aber nicht unbedingt verkehrt sein muss. 😉

Eine weitere Typologie, die mir persönlich sehr gut (eigentlich sogar noch etwas besser) gefällt, ist das System von Gunther Dueck. Darauf wirklich einzugehen, würde hier jedoch viel zu lange dauern, jedoch kann ich seine Bücher sehr empfehlen: http://www.amazon.de/Duecks-Trilogie-2-0-Omnisophie-Supramanie/dp/3642026982

(Teile von Duecks Topologie graphisch dargestellt)